Sechs tödliche Zusammenstöße in der Luft pro Jahr, durchschnittlich 13 Tote – das sind die nüchternen Zahlen der EASA für die allgemeine Luftfahrt in Europa. Und die meisten davon passieren im unkontrollierten Luftraum, genau dort, wo wir VFR-Piloten unterwegs sind. Das Prinzip “See and Avoid” funktioniert – bis es das nicht mehr tut. Die EASA hat das erkannt und im Rahmen ihrer Roadmap GA Flightpath 2030+ eine Initiative gestartet, die das ändern soll.

Die Conspicuity Declaration

Kernstück ist die freiwillige Conspicuity Declaration, unterzeichnet von elf europäischen Luftfahrtbehörden und weiteren Partnern. Das Ziel: die elektronische Sichtbarkeit von Kleinflugzeugen im Luftraum deutlich verbessern. Nicht durch Pflichtausrüstung oder neue Vorschriften, sondern durch Förderung günstiger Technik und eine gemeinsame Sicherheitskultur. Der Ansatz ist bewusst freiwillig – die EASA setzt auf Überzeugung statt Regulierung.

Konkret geht es um sogenannte Electronic Conspicuity Devices – Geräte, die die eigene Position aussenden und gleichzeitig den umliegenden Verkehr empfangen. Die Technologie dafür ist längst da, und sie ist bezahlbar geworden.

Welche Geräte gibt es?

Die drei wichtigsten Systeme für GA-Piloten in Deutschland:

FLARM / PowerFLARM: Der Klassiker, seit über einem Jahrzehnt im Einsatz. FLARM sendet auf 868 MHz die eigene GPS-basierte Flugbahn und warnt bei drohender Kollision. Besonders in der Segelflug-Community ist FLARM quasi Standard. Das PowerFLARM Fusion kombiniert FLARM mit ADS-B-Empfang in einem kompakten Gerät – ab etwa 2.000 Euro. Portable Varianten gibt es ab rund 1.200 Euro.

SkyEcho 2: Die günstigere Alternative von uAvionix. Empfängt sowohl FLARM- als auch ADS-B-Signale und zeigt den Verkehr in kompatiblen Apps wie SkyDemon an. Dazu sendet es die eigene Position per ADS-B aus. Aktuell ab etwa 750 Euro erhältlich – das ist deutlich unter der Schmerzgrenze für die meisten Vereinsflieger.

ADS-B Out (via Transponder): Wer einen Mode-S-Transponder mit Extended Squitter hat, sendet bereits ADS-B Out. Viele neuere Transponder können das ab Werk. Die EASA fördert im Rahmen der Initiative auch das neue ADS-L (ADS-B “Light”) – ein vereinfachtes Protokoll, das speziell für den unteren Luftraum und die Integration von Drohnenverkehr (U-Space) entwickelt wurde.

Lohnt sich die Nachrüstung?

Die ehrliche Antwort: Ja, und zwar nicht wegen der EASA-Initiative, sondern weil es einfach Sinn ergibt. Wer schon mal eine FLARM-Warnung im Cockpit hatte und dann den Segler gesehen hat, der genau auf Kollisionskurs war, braucht keine weitere Überzeugungsarbeit.

Die Kosten sind überschaubar geworden. Ein SkyEcho 2 für unter 800 Euro ist für viele Vereine eine realistische Investition – vor allem, wenn man bedenkt, dass das Gerät portabel ist und in verschiedenen Flugzeugen genutzt werden kann. Wer FLARM-Kompatibilität braucht (und das ist in Deutschland mit der großen Segelflug-Community fast ein Muss), greift zum PowerFLARM.

Wichtig zu wissen: Die FLARM-Anzeige in Apps wie SkyDemon erfordert eine separate Lizenz (aktuell rund 42 Euro pro Jahr). Ein Detail, das gerne vergessen wird.

Wie geht es weiter?

Die EASA hat bei der AERO 2025 in Friedrichshafen eine eigene Konferenz zum Thema Midair-Kollisionsvermeidung veranstaltet – das Thema wird also auf höchster Ebene ernst genommen. Mit ADS-L steht ein neuer Standard in den Startlöchern, der langfristig die Interoperabilität zwischen FLARM, ADS-B und Drohnen-Tracking verbessern soll.

Für uns VFR-Piloten heißt das: Die Technik wird besser, günstiger und kompatibler. See and Avoid bleibt die Grundlage – aber ein elektronischer Backup im Cockpit ist 2026 keine Luxusoption mehr, sondern gesunder Menschenverstand.


Quellen: