Wer in den nächsten Wochen abends im Allgäu unterwegs ist, sollte einen Blick auf die aktuelle NOTAM-Lage werfen: Seit dem 1. April 2026 ist das Flugbeschränkungsgebiet ED-R Ottobeuren wieder aktiv – und das hat es in sich.

Was ist gesperrt?

Rund um die Allgäuer Volkssternwarte in Ottobeuren (Koordinaten 47°55'44"N 010°17'13"E) gilt ein Flugbeschränkungsgebiet mit einem Radius von 8 NM – das sind knapp 15 Kilometer. Die vertikale Ausdehnung: GND bis FL 500. Ja, richtig gelesen. Vom Boden bis in 50.000 Fuß. Das ist kein Tippfehler, sondern hat einen guten Grund: Laser.

Warum Laser?

Die Allgäuer Volkssternwarte Ottobeuren (AVSO) betreibt eine der wenigen Stationen in Deutschland, an denen Laserversuche zur Satellitenbeobachtung durchgeführt werden. Dabei werden leistungsstarke Laserstrahlen in den Himmel geschickt – unter anderem für sogenannte Laser Guide Stars, die eine künstliche Referenz in etwa 90 km Höhe erzeugen. Damit lassen sich atmosphärische Störungen kompensieren und die Bildqualität von Teleskopen deutlich verbessern. Die ESO (European Southern Observatory) hat hier in der Vergangenheit bereits Systeme mit 20-Watt-Lasern bei 589 nm Wellenlänge getestet.

Für uns Piloten heißt das: Ein Laserstrahl mit dieser Leistung ist nicht nur ein Augenschmaus am Nachthimmel, sondern potenziell gefährlich für jeden, der sich im Strahlbereich aufhält. Deshalb die großzügige Sperrung bis FL 500.

Wann ist das Gebiet aktiv?

Die ED-R Ottobeuren ist täglich von 19:30 bis 02:00 UTC aktiv – das entspricht aktuell 21:30 bis 04:00 Uhr Ortszeit (MESZ). Die Aktivierung läuft bis zum 30. Juni 2026. Veröffentlicht wurde die Beschränkung unter NfL 2026-1-3782.

Wichtig: Das Gebiet ist nicht zwangsläufig rund um die Uhr „scharf". Die tatsächliche Aktivierung hängt davon ab, ob Laserversuche stattfinden. Laut der Bekanntmachung können Durchflüge genehmigt werden, wenn gerade keine Laseroperationen laufen.

Wen betrifft das?

Direkt betroffen sind VFR-Piloten, die abends oder nachts in Südbayern unterwegs sind – gerade jetzt, wo die Tage länger werden und Dämmerungsflüge wieder attraktiver sind. Der 8-NM-Radius erfasst ein ordentliches Stück Allgäu südlich von Memmingen. Wer von EDJA (Memmingen) Richtung Süden fliegt oder aus Richtung Kempten kommt, sollte die Sperrung auf dem Schirm haben.

Was tun?

  1. NOTAMs prüfen: Vor jedem Flug in der Region die aktuelle NOTAM-Lage checken – am besten über den DFS AIS-Dienst oder eure bevorzugte Briefing-App.
  2. Karte anschauen: Tragt euch den Kreis um Ottobeuren auf eurer Karte ein. 8 NM Radius um 47°55'44"N 010°17'13"E – das reicht fast bis Memmingen.
  3. Ausweichen: Wer abends Richtung Allgäu will, plant am besten nördlich an der Sperrzone vorbei oder startet früh genug, um vor 19:30 UTC durch zu sein.
  4. Kontakt aufnehmen: Bei Unsicherheit München Information (FIS) kontaktieren – die wissen, ob die Zone gerade aktiv ist.

Fazit

Ein Flugbeschränkungsgebiet wegen Laserversuchen klingt erstmal exotisch – ist aber ein wiederkehrendes Thema in Ottobeuren. Die Sternwarte führt diese Versuche regelmäßig durch, und die ED-R wird turnusmäßig aktiviert. Wer in Südbayern fliegt, kennt das vielleicht schon aus früheren Jahren. Für alle anderen: Jetzt wisst ihr Bescheid. Augen auf bei der Flugvorbereitung – und lasst den Laser den Wissenschaftlern.


Quellen: