Ehrlich: Die ersten METAR-Zeilen der eigenen Flugausbildung sehen aus wie ein Buchstabensalat, den jemand auf der Tastatur eingeschlafen hingetippt hat. Irgendwann klickt es – und man liest das Ding flüssiger als die Tageszeitung. Weil es im Blog bisher nur den kurzen Tipp zu metar-taf.com gab, kommt hier die komplette Anleitung. Einmal langsam von links nach rechts, mit einem echten Beispiel aus Frankfurt.
Das Beispiel
METAR EDDF 171320Z 27008KT 240V310 9999 FEW025 SCT040 18/09 Q1018 NOSIG
TAF EDDF 171100Z 1712/1818 27010KT 9999 SCT030
BECMG 1718/1720 25015KT SCT025
TEMPO 1802/1808 4000 SHRA BKN015
BECMG 1810/1812 20008KT CAVOK
Genau zwei Flugwetter-Produkte, mehr brauchst du für den ersten Go/No-Go-Blick nicht. Das eine sagt dir, was gerade los ist – das andere, was noch kommt.
METAR: die Momentaufnahme
EDDF ist der ICAO-Platz, 171320Z der 17. Tag des Monats um 13:20 UTC (also 15:20 lokal in der Sommerzeit). 27008KT heißt Wind aus 270° mit 8 Knoten, 240V310 dokumentiert, dass der Wind zwischen 240° und 310° pendelt. Bei Böen käme ein G dazu – etwa 27015G25KT für 15 Knoten mit Böen bis 25.
9999 bedeutet Sicht ≥ 10 km. Kleinere Zahlen stehen für Meter (5000 = 5 km), CAVOK ist die Abkürzung aller Wetterfeen für “Sicht ≥ 10 km, keine relevanten Wolken unter 5.000 ft bzw. MSA, keine signifikanten Wettererscheinungen”.
FEW025 SCT040 – das Wolken-Bulletin: few (1–2 Achtel) in 2.500 ft, scattered (3–4 Achtel) in 4.000 ft über Platzhöhe. Danach kämen BKN (5–7 Achtel) und OVC (geschlossen). Als VFR-Pilot achtest du hier auf die erste BKN- oder OVC-Schicht – das ist deine effektive Wolkenuntergrenze.
18/09 steht für 18 °C Temperatur, 9 °C Taupunkt. Spread ≤ 3 °C? Nebelgefahr, vor allem morgens oder am Abend. Q1018 ist das QNH in hPa – der Wert, den du ins Höhenmesser-Kästchen drehst. NOSIG zum Schluss: die nächsten zwei Stunden keine signifikante Änderung erwartet.
TAF: die Vorhersage
Die TAF-Kopfzeile 171100Z 1712/1818 sagt: ausgegeben am 17. um 11:00 UTC, gültig vom 17. 12:00 UTC bis zum 18. 18:00 UTC. Darunter steht zunächst die Grundvorhersage (Wind, Sicht, Wolken), anschließend die Änderungsgruppen.
BECMG 1718/1720: Zwischen 18 und 20 UTC am 17. wird sich der Wind auf 250°/15 KT drehen und dauerhaft so bleiben. BECMG steht immer für eine beständige Änderung innerhalb des genannten Fensters.
TEMPO 1802/1808: Zwischen 02 und 08 UTC am 18. treten zeitweise Sicht von 4 km, Regenschauer (SHRA) und BKN in 1.500 ft auf. Zeitweise heißt: weniger als die Hälfte des Zeitraums, jede Episode unter einer Stunde. Ob du darauf fliegst, musst du wissen – IFR-Wetter im Wechsel mit brauchbarem VFR.
Weitere Schlagworte, die du kennen solltest: PROB30/PROB40 (prozentuale Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses) und FM (FROM, harter Schnitt zum neuen Wetter ab der genannten Zeit).
Mein Workflow vor dem Flug
Die DWD-FlugWetter-App liefert METAR und TAF offiziell und aktuell – inklusive SIGMETs und GAFOR. metar-taf.com ist der Decoder zum Gegenprüfen, und wer auf der Kommandozeile lebt, bekommt mit dem aviation-weather-mcp sogar eine Claude-Integration. Meine Reihenfolge: TAF lesen → METAR gegenchecken → GAFOR → SIGMETs → dann erst die Karte aufmachen. Wer den TAF zuletzt liest, hat meist schon eine Route im Kopf, die er eigentlich nicht mehr fliegen sollte.
Den Rest lernst du durch Wiederholung. Nach zehn METARs kennst du den Rhythmus, nach fünfzig liest du die Änderungsgruppen nebenbei – und ärgerst dich über jeden, der die Wetterinfo gerne mal überspringt.
