Die Tage werden länger, die Thermik meldet sich zurück, und bei den Quax-Fliegern in Bienenfarm wird vom 6. bis 12. April wieder ausgemottet. Für viele GA-Piloten ist das der inoffizielle Startschuss in die Saison. Aber bevor der Prop das erste Mal dreht, lohnt sich ein ehrlicher Blick – auf das Flugzeug und auf sich selbst.

Das Flugzeug: Mehr als nur Ölstand prüfen

Klar, der Preflight-Check gehört vor jeden Flug. Aber nach Wochen oder Monaten im Hangar verdient das Flugzeug etwas mehr Aufmerksamkeit als die üblichen zwei Minuten Walkaround.

Motoröl: Nicht nur den Stand prüfen, sondern auch die Farbe. Wenn das Öl seit dem letzten Wechsel im Herbst drin ist, hat es über den Winter Feuchtigkeit gezogen. Dunkel und milchig? Wechseln, bevor ihr fliegt.

Batterie: Eine Flugzeugbatterie, die drei Monate ohne Erhaltungsladung gestanden hat, ist oft nur noch ein Briefbeschwerer. Spannung messen – und ehrlich sein, ob sie den Anlasser noch mit Überzeugung dreht.

Reifen: Standplatten nach langer Standzeit sind keine Seltenheit. Reifendruck prüfen, und die Flanken auf Risse kontrollieren. Wer im Herbst ordentlich eingewintert hat, ist hier im Vorteil.

Kraftstoff: Wasser im Tank ist nach dem Winter fast schon Standard. Drainprobe ziehen – und zwar nicht nur aus einem Sumpf. Wer lange gestanden hat, zieht aus jedem Drain. Kein Witz.

Steuerung und Ruder: Einmal alle Ruder durchbewegen, Seilzüge und Anlenkungen auf Korrosion prüfen. Mäuse und Vögel haben den Winter möglicherweise kreativer verbracht als wir.

Jahresnachprüfung: Ist die JNP noch gültig? Wer im Frühjahr fliegen will, sollte das Datum kennen – nicht erst beim Eintrag ins Bordbuch.

Der Pilot: Das schwächere Glied in der Kette

Das Flugzeug kann technisch einwandfrei sein – wenn der Pilot nach fünf Monaten Pause einsteigt wie nach fünf Tagen, wird es trotzdem brenzlig.

Medical: Wann läuft es ab? Gerade bei Class 2 und LAPL-Tauglichkeit verliert man schnell den Überblick. Lieber jetzt prüfen als beim nächsten Fly-In am Boden bleiben.

90-Tage-Regel: Wer Passagiere mitnehmen will, braucht laut FCL.060 drei Starts und Landungen innerhalb der letzten 90 Tage auf dem gleichen Muster. Nach der Winterpause ist das bei den meisten Piloten nicht erfüllt. Also: erst drei Runden alleine drehen, dann die Familie einladen.

Fluggefühl: Das ist der Punkt, über den niemand gerne spricht. Nach Monaten ohne Steuerhorn sind die Abläufe langsamer, die Anflüge unsauberer, die Reaktionen träger. Das ist normal – und kein Grund, sich zu schämen. Aber ein sehr guter Grund, den ersten Flug kurz zu halten und vielleicht bewusst ein paar Platzrunden zu machen, bevor es auf die Strecke geht. Oder noch besser: ein Auffrischungsflug mit Fluglehrer. Kostet eine Stunde, bringt aber das Gefühl zurück.

Dokumente: Lizenz gültig? ZÜP aktuell? Versicherung verlängert? All das klingt banal, ist aber schnell vergessen – und im dümmsten Fall teuer.

Fliegen ist kein Autofahren

Ein Auto verzeiht es, wenn man nach dem Winter einfach einsteigt und losfährt. Ein Flugzeug nicht. Und ein Pilot, der seine eigene Einrostung ignoriert, schon gar nicht. Die Saison hat zwölf Monate Zeit, großartig zu werden. Die ersten zwei Flüge sollten dem Ankommen dienen – nicht dem Beweisen.

In diesem Sinne: Guten Saisonstart, bleibt sicher da oben – und wenn ihr in Bienenfarm seid, grüßt die Quaxe von mir.


Quellen: