Brüssel macht es sich selten einfach — das zumindest war lange das Gefühl vieler GA-Piloten beim Blick auf die EASA-Vorschriften. Mit dem European Plan for Aviation Safety 2026 (EPAS 2026, 15. Ausgabe) macht die Behörde jetzt offiziell „Rules Simplification" zu einem von drei neuen strategischen Schwerpunkten. Klingt nach Bürokratensprache — ist aber mehr.
Was das EPAS 2026 neu bringt
Das EPAS ist kein Gesetz, sondern der gemeinsame Sicherheitsplan der EASA und der EU-Mitgliedstaaten: eine Art Redaktionsplan für Regeländerungen, der zeigt, was in den nächsten Jahren kommt. Die 15. Ausgabe ergänzt die laufende Planungsperiode um drei neue strategische Ziele. Neben Big-Data-Analysen für das Sicherheitsrisikomanagement und der Umsetzung des einheitlichen europäischen Luftraums (SES 2+) steht „Rules Simplification" explizit im Mittelpunkt — eingefordert von der EU-Kommission als Teil der Better-Regulation-Agenda.
Der Ansatz: Das Regelwerk soll so vereinfacht werden, dass es für alle — GA-Piloten, Flugschulen, Behörden — leichter zu verstehen, umzusetzen und zu überwachen ist, ohne an Sicherheit zu sparen. Ein erstes Paket konkreter Vereinfachungsmaßnahmen soll 2026 anlaufen und bis 2028 erste Ergebnisse liefern. Bereits im zweiten Quartal 2026 präsentiert EASA die priorisierte Maßnahmenliste den beratenden Gremien — eine Konsultation, bei der Verbände wie AOPA mitreden.
Was für Privatpiloten im Köcher steckt
Konkret hängt an diesem Kurs vor allem RMT.0678, das Rulemaking Task zur Vereinfachung von Part-FCL für die GA. Der Entwurf sieht unter anderem vor:
- BasicPlus-Lizenzvorschlag: Eine neue Zwischenstufe soll den Übergang von LAPL zu PPL erleichtern und mehr Piloten an eine vollwertige Lizenz heranführen, ohne die komplette PPL-Ausbildung von null zu starten.
- Elektronisches Logbuch: e-Logbooks sollen als vollwertige Alternative zum Papierlogbuch anerkannt werden — bisher ist das nur in manchen Mitgliedstaaten möglich, EU-weit fehlt die klare Grundlage.
- LAPL-zu-PPL-Anrechnung: Wer mit dem LAPL angefangen hat, soll die geleisteten Flugstunden auf den PPL anrechnen können. Bisher eine nationale Flickenteppich-Lösung.
- Kompetenzbasiertes Instrumentenrating: Weniger starres Stundenzählen, mehr Fokus auf nachgewiesene Fähigkeiten — ein Ansatz, der schon bei der ATPL-Ausbildung erprobt ist.
Ebenfalls bereits in Kraft: die FSTD-Verordnung EU 2026/781, die das Simulatorqualifikationssystem auf ein sogenanntes „Capability Signature"-Modell umstellt. Flugschulen können damit gezielter angeben, für welche Trainingsszenarien ein Gerät geeignet ist — relevant für PPL-Schüler, die Simulator-Stunden auf ihre Ausbildung anrechnen lassen wollen.
Hinzu kommt das Konzept „Declared by Default" aus dem GA Flightpath 2030+: Statt für bestimmte Aktivitäten eine behördliche Vorabgenehmigung einzuholen, soll in klar definierten Bereichen eine Selbstdeklaration ausreichen. Das ist konzeptionell ein echter Schritt — bedeutet aber auch, dass der Pilot die Compliance-Verantwortung selbst trägt.
Was bleibt Ankündigung?
Ehrlich gesagt: vieles. Das EPAS ist ein Fahrplan, kein Terminversprechen. Jede konkrete Regeländerung durchläuft den EASA-Rulemaking-Zyklus: Notice of Proposed Amendment → Opinion → EU-Verordnung. Das dauert typischerweise mehrere Jahre. RMT.0678 ist seit 2020 in Arbeit. BasicPlus ist bisher Vorschlag, kein beschlossenes Recht. Und EASA betont selbst, dass die Vereinfachungsoffensive ein „kontinuierlicher Prozess, kein Einmalprojekt" sein soll.
Wer heute seinen PPL macht, fliegt nach den Regeln von heute. Wer in fünf Jahren anfängt, könnte von schlankeren Vorschriften profitieren — wenn EASA und EU-Kommission das Tempo halten.
Fazit
Der Richtungswechsel ist real. Dass „Rules Simplification" als explizites EASA-Ziel im EPAS 2026 steht, ist mehr als Symbolik — es kommt politischer Druck von oben. Was GA-Piloten konkret im Geldbeutel und im Logbuch spüren werden, hängt aber davon ab, wie schnell RMT.0678 in Kraft tritt und wie mutig die „Declared by Default"-Regeln ausgestaltet werden. Wer früh mitgestalten will: EASA hat angekündigt, Stakeholder-Feedback aktiv einzuholen.
Quellen: EASA EPAS 2026, 15. Ausgabe · EASA Rule Simplification Programme · EASA GA Flightpath 2030+
