Im September dieses Jahres versammeln sich Vertreter der weltweit wichtigsten Privatpilotenverbände an einem Ort – und zum ersten Mal seit Langem ist dieser Ort Deutschland. Die IAOPA World Assembly 2026 findet vom 29. September bis 2. Oktober 2026 statt, ausgerichtet von der AOPA Germany als Gastgeberin. Für uns Privatpiloten in Deutschland ist das mehr als eine Randnotiz im Verbandskalender.
Was ist die IAOPA – und warum sollte mich das interessieren?
Die IAOPA – International Council of Aircraft Owner and Pilot Associations – ist der globale Dachverband der nationalen AOPA-Organisationen. Rund 80 Verbände aus aller Welt sind Mitglied, von den USA über Australien bis hin zu Ländern, in denen es vielleicht nur ein paar Dutzend lizenzierte Privatpiloten gibt. Die IAOPA vertritt GA-Interessen gegenüber der ICAO in Montreal – also der UN-Behörde, die letztlich viele der Regeln setzt, nach denen wir alle fliegen.
Alle zwei Jahre trifft sich die IAOPA zur World Assembly: Delegierte verhandeln Resolutionen, hören Expertenvorträge und verabschieden Positionen zu den drängendsten GA-Themen weltweit. Diese Resolutionen landen dann als lobbyistisches Gewicht bei ICAO, EASA und nationalen Behörden. Die World Assembly ist kein Fachkongress für Regulierer – sie ist das koordinierte Sprachrohr von Hunderttausenden Privatpiloten.
Was steht auf der Agenda?
Ein offizielles Programm gibt es noch nicht, aber die Themen, die IAOPA-Europe zuletzt bewegt haben, liefern einen guten Vorgeschmack:
Avgas und die Kraftstoff-Transition. Die geplante Einstellung von verbleitem Avgas in den USA in den 2030er-Jahren macht auch europäischen Verbänden Sorgen. Wer unsere Avgas-Analyse kennt, weiß: Die Umstellung auf bleifreie Kraftstoffe wie GAMI G100UL oder Swift UL94 ist technisch machbar – aber Lieferketten-Risiken und Zulassungshürden bleiben offen. Die IAOPA will eine global koordinierte Antwort, bevor Europa von nur wenigen Produzenten abhängig wird.
Elektronische Erkennbarkeit. E-Conspicuity ist das Safety-Dauerthema schlechthin. ADS-L, FLARM, ADS-B Out – für viele Piloten ist die Lage noch unübersichtlich. Wir haben den EASA-Conspicuity-Stand bereits beleuchtet; die IAOPA kämpft dafür, dass keine Insellösungen entstehen, die den Schutz kleiner Flugzeuge nur in manchen Lufträumen gewährleisten.
Regulatorische Vereinfachung. Thema seit Jahren, Fortschritte selten – aber EASA hat mit dem EPAS 2026 „Rules Simplification" zum strategischen Schwerpunkt erklärt. Was RMT.0678 für PPL-Inhaber konkret bedeutet, haben wir schon analysiert; bei der World Assembly dürften ähnliche Forderungen als internationale Resolutionen eingebracht werden.
Luftraumzugang und Überfluggebühren stehen traditionell auf jeder IAOPA-Agenda – zwei Themen, bei denen GA-Piloten strukturell benachteiligt sind und die koordinierte Interessenvertretung am meisten bewirkt.
Heimspiel für die deutsche GA-Lobby
Dass AOPA Germany als Gastgeber auftritt, ist strategisch kein Zufall. Als einer der mitgliederstärkeren europäischen AOPA-Verbände bringt Deutschland politisches Gewicht mit – und kann Themensetzung und Resolutionstexte aktiv mitprägen. Ein Heimspiel dieser Art kommt selten; die letzte vergleichbare Konstellation, in der ein deutschsprachiger Verband die Weltbühne bespielt hat, liegt Jahre zurück.
Für die deutsche GA-Gemeinschaft ist es eine Gelegenheit, Themen wie Luftraumgebühren, EASA-Bürokratie oder die Avgas-Versorgungssicherheit mit internationalem Rückenwind zu adressieren – und das kurz nach dem September-Fly-In-Kalender, der zeigt, wie lebhaft der Flugbetrieb in dieser Saison ist.
Wer als interessierter Pilot andocken möchte: AOPA-Germany-Mitglieder erfahren Details und Anmeldemöglichkeiten über aopa.de/events. Das vollständige Programm wird dort rechtzeitig vor dem 29. September bekannt gegeben.
Quellen:
- AOPA Germany – Save the Date: IAOPA World Assembly 2026 in Deutschland
- AOPA Germany – IAOPA Europe: Kraftstoffe, Regulierung und Luftraumzugang
- IAOPA – World Assemblies
- AOPA Germany – Events
