Die 73. Ausgabe ist vorbei. Wittman Regional Airport schläft wieder, die Zelte auf dem Campinggelände sind weg, und irgendwo auf dem Atlantik fliegen gerade eine P-38 Lightning und eine DC-6 Richtung Heimat. Oshkosh 2026 – Zeit für die europäisch gefilterte Nachlese.
Erst die schlechte Nachricht: Rauch und Warteschleifen
Wer in der ersten Wochenhälfte nach Wisconsin fliegen wollte, hatte ein Problem. Kanadischer Waldbrand-Rauch trieb über den Großen Seen und drückte die Sicht auf Wittman (KOSH) zeitweise unter IFR-Minima. Instrumentenanflüge statt Fisk-Arrival, Wartezeiten, Nervosität. EAA warnte, lokale Sender berichteten in Abendnachrichten. Der Andrang kam trotzdem: 730.000 Besucher aus 90 Ländern – ein neuer Rekordwert, der den bisherigen Rekord von 2025 nochmals übertrifft. Wer je eine Oshkosh-Woche erlebt hat, weiß: die Fliegergemeinde lässt sich von Rauch nicht aufhalten.
Die Flying Bulls heben den Hut – und den Atlantik
Das europäische Highlight war eindeutig die österreichische Red-Bull-Flotte. Die Flying Bulls haben zum ersten Mal überhaupt amerikanischen Boden mit ihren Warbirds betreten – und das ist keine Übertreibung. Die P-38 Lightning (das einzige noch fliegende Exemplar auf europäischem Kontinent) und die DC-6B überquerten gemeinsam den Atlantik: Salzburg → Großbritannien → Island → Neufundland → Kanada → Wisconsin. Für die P-38 mit ihrer bescheideneren Reichweite bedeutete das enge Etappenplanung, immer im Sichtkonvoi mit der DC-6. Auf dem Boeing Plaza waren beide Maschinen die Stars der Woche, und im Nachmittags-Airshow-Programm haben sie das US-Publikum zum ersten Mal live erlebt, was Europa schon seit Jahren kennt. Besser kann ein europäischer Beitrag zu Oshkosh nicht aussehen.
Was nicht kam: der Super Guppy
NASA hatte die Rückkehr des Super Guppy angekündigt – das Transportflugzeug mit der unglaublichsten Silhouette der zivilen Luftfahrt. Kurz vor der Show: Absage wegen Sturmschäden. Schade, aber nachvollziehbar. Die CAF-B-24 „Diamond Lil" war als Ausgleich dabei und flog im America’s-250th-Programm – das war nicht nichts.
MOSAIC-Realitätscheck: schöne Ankündigungen, wenig Europa
Am 24. Juli trat die neue FAA-Regel Part 22 (MOSAIC) in Kraft – und die Oshkosh-Hallen reagierten: Der australische Jabiru J432 (Zweimot, vier Sitze, als Sport-LSA deklariert), Beta Technologies mit dem ALIA CX300 und ALIA A250 eVTOL, dazu das israelische AIR One eVTOL. Spannend zu schauen, schwer zu fliegen hierzulande.
Denn MOSAIC ist amerikanisches Recht. In Europa macht EASA ihre eigenen Regeln, und die einzige zugelassene Elektro-Schulmaschine auf dem Kontinent bleibt vorerst die Pipistrel Velis Electro. Was in Wisconsin als neue Ära gefeiert wird, landet frühestens nach einem EASA-Zertifizierungsmarathon bei uns – und wann das für welches der Oshkosh-Exponate realistisch wird, steht in keiner Broschüre. Wir haben das bereits in unserem Artikel zum FAA MOSAIC und seinen Folgen für Europa ausführlich beleuchtet.
Was bleibt
Oshkosh 2026 war – trotz Rauch, trotz ausgefallener NASA-Show – das, was es immer ist: der beste Beweis, dass General Aviation lebt und lebt und lebt. 730.000 Menschen, die sich für Propeller, Warbirds und selbstgebaute Flugzeuge begeistern, die nicht wegen eines Boardings angereist sind, sondern wegen des Fliegens selbst. Für uns in Europa ist die Messe immer auch ein Spiegel: Was ist möglich, was zündet, und – wie im Fall MOSAIC – was davon wir wirklich kriegen.
Die Flying Bulls jedenfalls haben schon auf X angekündigt, dass die Rückreise gut läuft. Die P-38 und die DC-6 sind auf dem Weg nach Hause. Gut so.
Quellen: EAA AirVenture News · EAA Flying Bulls Pressemitteilung · Vintage Aviation News – Flying Bulls · AVweb – NASA Super Guppy abgesagt · General Aviation News – Jabiru J432
