Das Luftfahrt-Bundesamt hat wieder einen Chef: Seit dem 1. August 2026 leitet Ministerialdirigent Alexander Schott die Behörde in Braunschweig — als achter Präsident seit der Gründung vor fast 72 Jahren. Er folgt auf Jörg Werner Mendel, der bereits Ende Januar in die passive Phase der Altersteilzeit verabschiedet wurde. Das heißt im Klartext: Ein halbes Jahr lang war der Chefsessel beim LBA faktisch unbesetzt — ausgerechnet in einer Phase, in der die Behörde so viel Kritik einstecken musste wie selten zuvor.
Wer ist Alexander Schott?
Schott ist Volljurist und kommt nicht aus der Luftfahrtverwaltung, sondern aus dem Bundesministerium der Verteidigung. Dort war er zuletzt Direktor für Forschung und Innovation und verantwortete die Cyber- und KI-Konzeptionen der Bundeswehr. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) nannte das LBA zur Amtsübergabe eine „tragende Säule" der deutschen Luftfahrt und Schott einen „ausgewiesenen Verwaltungs- und Innovationsexperten".
Man kann das als Personalie abheften. Man kann aber auch genauer hinschauen, denn die Auswahl ist bemerkenswert: Berufen wurde kein klassischer Luftrechtler, sondern jemand, dessen Kernkompetenz Digitalisierung und Modernisierung von Großorganisationen ist. Das dürfte kein Zufall sein.
Die Baustellen, die auf ihn warten
Wer hier regelmäßig mitliest, kennt die Liste. Da ist zuallererst der Medical-Stau beim Referat L6: monatelange, teils jahrelange Wartezeiten auf Tauglichkeitsentscheidungen, die Piloten am Boden halten, obwohl medizinisch längst alles geklärt ist. Das Verkehrsministerium hat im Sommer erste Maßnahmen angeschoben — Runder Tisch, Personalaufstockung, Prozessprüfung. Und da ist die Reform der Theorieprüfung, die seit Juli läuft und zeigt, dass Bewegung in die Behörde kommen kann, wenn der Druck groß genug ist.
Alle drei Baustellen haben einen gemeinsamen Nenner: Es sind keine fachlichen Probleme, sondern Prozess- und Kapazitätsprobleme. Genau das Terrain, auf dem ein Verwaltungsmodernisierer mit Digitalisierungs-Hintergrund theoretisch punkten kann.
Was Privatpiloten realistisch erwarten können
Jetzt die ehrliche Einordnung — und die ist klar als unsere Einschätzung gekennzeichnet, nicht als Fakt: Ein neuer Präsident beschleunigt kein einziges Medical. Die Engpässe beim LBA sind struktureller Natur — Personal, veraltete Verfahren, Papierakten. Das ändert niemand in den ersten hundert Tagen, egal wie gut er ist.
Aber: Ein Behördenleiter setzt Prioritäten, und er ist das Gesicht gegenüber dem Ministerium, das gerade ohnehin auf das LBA schaut. Wenn Schott seinen Innovationsauftrag ernst nimmt, wären digitale Antragsstrecken und transparente Bearbeitungsstände für die Flugmedizin der naheliegendste Hebel — genau das, was Verbände wie die AOPA seit Jahren fordern. Ob es so kommt, wissen wir nicht. Dass mit dem Amtsantritt die sechsmonatige Führungsvakanz endet, ist für sich genommen aber schon eine gute Nachricht: Eine Behörde ohne Chef reformiert sich nicht.
Wir bleiben dran — spätestens wenn die ersten Entscheidungen aus Braunschweig kommen, lest ihr es hier.
Quellen: airliners.de: Alexander Schott übernimmt Amt des LBA-Präsidenten · aero.de: Das LBA hat einen neuen Präsidenten · Luftfahrt-Bundesamt
