In gut drei Wochen ist Schluss: Am 30. September 2026 endet der offizielle Support für die gesamte Classic-FLARM-Reihe. Bevor jetzt jemand hektisch das Panel aufschraubt – die wichtigste Nachricht zuerst: Das Gerät geht nicht aus. Die Kollisionswarnung funktioniert am 1. Oktober genauso wie am 30. September. FLARM selbst schreibt es unmissverständlich: „Wenn eine Classic-Installation gut funktioniert, besteht kein unmittelbarer Handlungsbedarf."
Trotzdem gibt es einen Handgriff, der sich vor dem Stichtag lohnt.
Was tatsächlich wegfällt
Ab dem 1. Oktober liefert FLARM für Classic-Geräte keine Software-Updates mehr – auch keine sicherheitsrelevanten Korrekturen und Bugfixes –, keinen technischen Support (Anfragen werden schlicht nicht mehr beantwortet) und keine Hindernisdaten. Die lassen sich für Classic-Geräte im Webshop schon jetzt nicht mehr kaufen.
Die Begründung des Herstellers ist ehrlich und wenig überraschend: Die technologische Basis stammt aus einer Zeit mit deutlich weniger Rechenleistung, Speicher und Funktechnik. Vieles, was moderne PowerFLARM-Geräte können, lässt sich auf Classic gar nicht oder nur eingeschränkt umsetzen — und Ersatzteile für die alte Elektronik werden knapp. Das erste FLARM kam 2004 auf den Markt; laut aerokurier sind bis heute mehr als 60.000 Geräte im Einsatz.
Der eine Handgriff: Firmware prüfen
Betriebsfähig bleiben Classic-Geräte ab Software-Version 7.40. Wer eine ältere Version fliegt, sollte jetzt updaten, solange die Dateien noch offiziell bereitstehen. Aktueller – und aller Wahrscheinlichkeit nach letzter – Classic-Stand ist Firmware 7.43 vom 6. Februar 2026. Dass der Abschied längst begonnen hat, sieht man daran, dass die PowerFLARM-Linie im Juni bereits auf 7.44 gehoben wurde; Classic bekam dieses Update nicht mehr.
Ein Detail, das für Ruhe sorgt: Seit 7.40 haben die Firmware-Dateien kein Ablaufdatum mehr. Das war früher anders – vor der Umstellung auf das DMV-Verfahren mussten FLARM-Nutzer regelmäßig updaten, sonst schwieg das Gerät irgendwann. Genau diese Falle gibt es nicht mehr. Deshalb ist 7.40+ die entscheidende Schwelle und nicht der 30. September.
Zur Classic-Familie zählen unter anderem die Modelle F5 bis F9, die AIR Avionics TRX-1500/2000, LXNAV FLARM Mouse und LX8000/9000 mit Classic-Modul, LX Navigation LX7000, Red Box und Mini Box, das Hensoldt-Modul für den RN7, das Ediatec ECW100 sowie Flytec-Geräte. Gespielt wird die Datei mit dem FLARM Tool 7.43 über die serielle bzw. USB-Schnittstelle – Download und Anleitung stehen im Support-Bereich von flarm.com. Wer nicht selbst schrauben mag: beim nächsten Werkstatttermin mit erledigen lassen. FLARM empfiehlt ohnehin, jede Installation einmal jährlich nach den ICA zu prüfen.
Was danach langsam veraltet
Der eigentliche Verfall ist kein Knall, sondern ein Schleichen. Die Hindernisdatenbank friert auf dem heutigen Stand ein – neue Windräder, Seilbahnen und Abspannungen tauchen nie mehr auf. Für den Streckensegelflug im Gebirge ist das der Punkt, an dem man ernsthaft über ein Upgrade nachdenken sollte, für die Platzrunde im Flachland eher nicht.
Und: ADS-L wird Classic nie bekommen. Ohne Updates bleibt die Reihe außen vor, wenn die elektronische Sichtbarkeit im GA-Luftraum weiter Fahrt aufnimmt. Wer ohnehin neu installiert, eine Flotte modernisiert oder schwache Empfangsreichweiten hat, fährt mit PowerFLARM besser – das empfängt zusätzlich Mode-S und ADS-B. Wo ADS-L, FLARM und ADS-B heute stehen, steht im Überblick e-Conspicuity 2026; die Abgrenzung zum Transponder erklärt Transponder-Modi A, C und S in der Praxis.
Eine Anmerkung zum Geldbeutel: Die vielzitierte Tauschaktion mit Ülis Segelflugbedarf (199 bzw. 250 Euro Rabatt auf ein PowerFLARM Flex gegen Einsendung des geprüften Classic-Geräts) lief nur vom 1. November 2025 bis zum 28. Februar 2026. Eine Neuauflage ist derzeit nicht angekündigt. Wer auf ein Schnäppchen zum Support-Ende gehofft hat, wartet also vermutlich vergeblich.
Unterm Strich: keine Panik, aber ein Kalendereintrag. Vor dem 30. September einmal die Firmware-Version auslesen und gegebenenfalls auf 7.43 heben – danach fliegt das Gerät weiter, nur eben als gepflegtes Altgerät. Wer sich fragt, wie sich das alles zu Ausweichregeln nach § 13 LuftVO verhält: FLARM ersetzt den Blick nach draußen nicht. Das galt 2004 und gilt 2026.
Quellen: FLARM: End of Support für Classic FLARM · FLARM: Non-expiring Software Update now Available · FLARM Downloads (Firmware 7.43 / 7.44, Gerätelisten) · aerokurier: Support für Classic FLARM läuft aus · LXNAV: Updated firmware ClassicFlarm 7.43 (alle abgerufen 2026-09-07)
