Wenn du im Oktober einen der großen Plätze anfliegst, kann dir ein Lotse die Landefreigabe geben, obwohl das Flugzeug vor dir noch auf der Piste rollt. Das ist kein Versehen, sondern ein Verfahren: Reduced Runway Separation (RRS). Nach der NfL 2026-1-4039 gilt es ab dem 1. Oktober 2026 an 14 deutschen Verkehrsflughäfen.
Ein Hinweis vorab: Die folgenden Angaben stammen aus pilot-hub.com, gegengeprüft mit den Erläuterungen der Vereinigung Cockpit. Den Originaltext der NfL im DFS-Portal konnte ich nicht abrufen. Lies vor dem Flug selbst in die Bekanntmachung, bevor du dich auf einzelne Zahlen verlässt.
Wo gilt das?
An Berlin Brandenburg, Bremen, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln/Bonn, Leipzig/Halle, München, Münster/Osnabrück, Nürnberg, Saarbrücken und Stuttgart. Neu ist laut Bericht, dass RRS grundsätzlich auch nachts möglich ist.
Was genau ändert sich?
Der Lotse darf die Landefreigabe früher erteilen, wenn absehbar ist, dass das Vorderflugzeug die Piste rechtzeitig freigibt. Dafür gelten Mindestabstände beim Überfliegen der Schwelle, abhängig davon, wer vor wem fliegt:
- Folgt ein Flugzeug der Kategorie 1 (einmotorige Propeller bis 2.000 kg, also Cessna 172, Piper PA-28 & Co.): 600 m
- Folgt ein Flugzeug der Kategorie 2 (größere Einmots bis 7.000 kg, leichte Twins): 1.500 m
- Ist das Vorderflugzeug Kategorie 3 (Turboprops, Business-Jets, Airliner): 2.400 m
Das Verfahren greift nur bei mindestens 5 km Sicht, Wolkenuntergrenze mindestens 1.000 ft, höchstens 5 kt Rückenwind und einer Piste ohne Schnee, Eis, Matsch oder stehendes Wasser. Zwischen einem gestarteten und einem zuvor gelandeten Flugzeug gilt es ausdrücklich nicht. Wirbelschleppenstaffelung bleibt bindend und geht vor, wenn sie mehr Abstand verlangt.
Was bedeutet das für dich im Cockpit?
Für die leichte Einmot mit 600 m Abstand ist das meist unspektakulär, du wirst vor allem seltener in der Warteschleife hängen. Kritisch wird es in der anderen Konstellation: Du fliegst als Kategorie 1 hinter einer Boeing, und der Lotse gibt dir die Landung mit 2.400 m Abstand. Dann rollt vor dir noch ein großes Flugzeug, und dazu kommt die Turbulenz. Wie das zusammenhängt, steht im Artikel zu Wirbelschleppen.
Ein paar Dinge, die ich mir für den Oktober vornehmen würde:
- Verkehrsinformation ernst nehmen. Bei RRS wird dir das Vorderflugzeug genannt. Such es aktiv, bestätige die Sichtung und frag nach, wenn du es nicht siehst.
- Durchstarten bleibt immer erlaubt. Die Landefreigabe verpflichtet dich nie, eine Situation fortzusetzen, die dir unsicher vorkommt. Auch die NfL sagt das sinngemäß.
- Auf den Anflug konzentrieren. Vereinigung Cockpit nennt als Risiko, dass die Besatzung im Endanflug zu viel Aufmerksamkeit auf das Suchen des Vorderverkehrs verwendet. Das gilt für uns genauso.
- Funkdisziplin und Platzrunden-Routine. Wer die Abläufe kennt, verpasst die Anweisung nicht. Zur Auffrischung: Platzrunde erklärt und Kontrollzone durchfliegen.
Ein Stück Skepsis gehört dazu: Die Vereinigung Cockpit weist darauf hin, dass es bislang keine einheitliche Standardphraseologie für die RRS-Ankündigung gibt. Wenn dir etwas unklar ist, frag beim Lotsen nach, statt zu raten. Das gilt auch, falls dir bei Funkausfall nur noch die Lichtsignale bleiben, siehe Funkausfall und Squawk 7600.
Quellen
- PILOT-HUB: NfL 2026-1-4039
- Vereinigung Cockpit: Das Verfahren Reduced Runway Separation
- PILOT-HUB: NfL 2026-1-3950
- Original-NfL: DFS AIS-Portal (nicht abgerufen)
