Der Funk geht aus. Mitten im Flug, ohne Vorwarnung. Was jetzt? Viele Piloten haben dieses Szenario x-mal in der Theorie durchgespielt – und stehen im Ernstfall trotzdem kurz auf dem Schlauch. Nicht weil die Regeln kompliziert sind, sondern weil die Stresssituation das Abrufen genau der Sequenz verhindert, die man eigentlich auswendig können sollte.
Dieser Artikel geht die Kette sauber durch: erst Fehlersuche, dann Transponder-Code, dann Verfahren – im kontrollierten und unkontrollierten Luftraum.
Schritt 1: Fehlersuche, bevor du in Panik verfällst
Vor dem Squawk-Code kommt immer die Fehlersuche. Viele „Funkausfälle" sind in Wahrheit Bedienungsfehler oder lose Verbindungen. Die vier häufigsten Ursachen:
Lautstärke und Squelch: Simpel, aber häufig. Wurde die Lautstärke versehentlich auf null gedreht? Ist der Squelch zu hoch eingestellt und filtert dein Gegenüber raus?
Frequenz: Hast du die Frequenz korrekt eingegeben? Eine falsche Dezimalstelle reicht, um ins Leere zu funken.
Headset-Stecker: Headset-Klinke sauber eingesteckt? Im Turbulenz-Chaos kann sich ein Stecker lösen.
Avionik-Sicherung: Ist die Funksicherung rausgeflogen? Kurzer Blick aufs Sicherungspanel.
Wenn das alles nichts hilft: Frequenz 121,5 MHz versuchen. Das ist die internationale Notfallfrequenz, die von praktisch allen Stellen gehört wird – und auf der du als Pilot mit Funkausfall zumindest noch empfangen kannst, falls der Fehler nur auf der Sendenseite liegt.
Schritt 2: Transponder auf 7600
Sobald klar ist, dass der Funk wirklich ausgefallen ist: Transponder auf Squawk 7600 setzen. Dieser Code bedeutet international „Radiofailure" und wird von allen Radarlotsen sofort erkannt. Der Tower wird danach reagieren – mit Lichtsignalen.
Mehr zur Logik hinter den verschiedenen Squawk-Codes steht in unserem Squawk-Codes-Überblick, und wie der Transponder grundsätzlich funktioniert erklären wir im Artikel zu den Transponder-Modi A, C und S.
Schritt 3: Lichtsignale kennen und lesen
Wenn du Squawk 7600 gesetzt hast und ein kontrollierter Platz in der Nähe ist, schaut der Tower auf den Radar und schickt dir Lichtzeichen. Diese Lichtsignale sind in § 5 der Anlage 2 zur LuftVO geregelt und international nach ICAO Annex 2 standardisiert.
Lichtsignale im Flug:
| Signal | Bedeutung |
|---|---|
| Grünes Dauersignal | Landung freigegeben |
| Rotes Dauersignal | Platzrunde fortsetzen, anderes Luftfahrzeug hat Vorflug |
| Grünes Blinksignal | Zurückkehren / Anflug fortsetzen (Freigabe zum Landen abwarten) |
| Rotes Blinksignal | Nicht landen – Flugplatz unbenutzbar |
| Weißes Blinksignal | Auf diesem Flugplatz landen, zum Vorfeld rollen (Freigabe abwarten) |
| Rote Feuerwerkskörper | Unter keinen Umständen landen |
Die Merkhilfe: Grün heißt gut, Rot heißt Stop. Stetig bedeutet: jetzt. Blinkend bedeutet: gleich, aber noch nicht endgültig.
Wenn du ein Signal empfangen hast, bestätige es: Tagsüber durch wechselweises Auslenken der Querruder (nicht im Quer- oder Endanflug!), nachts durch zweimaliges Ein- und Ausschalten der Landescheinwerfer oder Positionslichter.
Lichtsignale am Boden:
| Signal | Bedeutung |
|---|---|
| Grünes Dauersignal | Start freigegeben |
| Rotes Dauersignal | Halt |
| Grünes Blinksignal | Rollerlaubnis erteilt |
| Rotes Blinksignal | Benutzte Landefläche freimachen |
| Weißes Blinksignal | Zum Ausgangspunkt zurückkehren |
Schritt 4: Verhalten in der CTR
Hier wird es in der Praxis oft falsch gemacht. Die alte Intuition „Ich hab ja eine Freigabe, die gilt noch" stimmt unter SERA (Standardised European Rules of the Air) so nicht mehr uneingeschränkt.
Wenn du noch außerhalb der CTR bist: Bleib draußen. Warte auf grüne Blinksignale, die dir signalisieren, dass du zurückkehren und warten sollst. Versuche, über 121,5 oder die Platzfrequenz empfangend zu hören, ob der Tower dir Anweisungen gibt.
Wenn du bereits in der CTR bist oder ein Notfall eine Landung unumgänglich macht: Die LuftVO erlaubt hier pragmatisches Handeln. Fliege die Platzrunde, halte Ausschau nach Lichtsignalen und lande so normal wie möglich. Transponder 7600 bleibt gesetzt.
Wichtig: Der Tower wird wissen, was los ist, sobald er dein Squawk 7600 im Radar sieht. Die Lotsen sind geschult und werden die Frequenz freihalten. Du bist nicht allein – du bist nur vorübergehend stumm.
Verhalten am unkontrollierten Platz
Unkontrollierte Plätze haben keinen Tower und damit keine Lichtsignal-Option. Hier gilt: Platzrunde fliegen wie immer, Ausschau halten nach anderem Verkehr, die üblichen Platzrundenregeln einhalten. Flügel wippen kann helfen, anderen Verkehr auf dich aufmerksam zu machen. Dann normal landen. Das Funkgerät hat lediglich gefehlt – die Verfahren sind dieselben wie bei einem normalen Sichtflug.
Einen guten Überblick über die normale Platzrundenstruktur gibt unser Artikel Platzrunde erklärt.
Funkausfall vs. echter Notfall
Noch eine wichtige Abgrenzung: Funkausfall allein ist noch keine Notlage im Sinne von MAYDAY. Wenn das Funkgerät ausfällt, du aber sonst alles im Griff hast – Fuel, Wetter, Triebwerk laufen – bleibt es bei den oben beschriebenen Verfahren. Erst wenn eine zweite Problemdimension dazukommt (kein Sprit, kein Wetter, technischer Defekt am Triebwerk), wechselst du in den Notfallmodus. Wie du zwischen Urgency und Distress unterscheidest und was MAYDAY vs. PAN-PAN bedeutet, haben wir im Artikel MAYDAY vs. PAN-PAN ausführlich beschrieben.
Merksatz zum Mitnehmen
„Suchen – Hören – Squawken – Schauen."
Erst Fehler suchen. Dann 121,5 hören. Dann 7600 squawken. Dann nach Lichtsignalen schauen. In dieser Reihenfolge, ohne Panik, bleibt ein Funkausfall eine lösbare Situation.
Quellen: Anlage 2 zur LuftVO (§ 5 Lichtsignale, § 21 LuftVO); ICAO Annex 2, Kapitel 3.6.5.2; DFS VFR-Informationen (dfs.de); SKYbrary Radio Failure (skybrary.aero)
