Das Moving Map friert ein, die Position springt, oder – schlimmer – alles sieht völlig normal aus und stimmt trotzdem nicht. Vor ein paar Jahren war das ein Thema für Airliner über dem Schwarzen Meer. Heute ist es eins für alle, die ihr GPS als einziges Navigationsmittel nutzen.
Warum das jetzt dein Thema ist
Die EASA hat am 3. Juli 2026 ihr Safety Information Bulletin zu GNSS-Störungen (SIB 2022-02) in der Revision 4 veröffentlicht. Anlass sind laut EASA neue Auswertungen zu Jamming und Spoofing, gemeinsam mit einer EASA-EUROCONTROL-Task-Force. Beobachtet wird eine deutliche Zunahme seit 2022, vor allem in der Nähe von Konfliktgebieten: Mittelmeer, Schwarzes Meer, Naher Osten, Ostsee. Und die Ostsee ist nah: Im März 2024 traf eine großflächige Störung auch Rügen, Usedom und Teile von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, bis knapp nördlich von Berlin.
Jamming und Spoofing – der Unterschied
Jamming ist ein Störsender, der das schwache Satellitensignal übertönt. Das Gerät verliert die Position, meldet “No GPS” oder “Signal lost”. Lästig, aber ehrlich: Du merkst es.
Spoofing ist gemeiner. Hier werden gefälschte Signale gesendet, und der Empfänger rechnet munter mit einer falschen Position, ohne unbedingt eine Fehlermeldung zu zeigen. Die EASA weist darauf hin, dass Spoofing schwerer zu erkennen ist und mehrere Systeme gleichzeitig betreffen kann.
Woran du es merkst
Stutzig werden solltest du bei Positionssprüngen auf der Karte, einer Ground Speed, die nicht zum Fluggefühl passt, plötzlich falscher Uhrzeit, Warnmeldungen im Navigationsgerät oder wenn Kurs und Landschaft unter dir nicht zusammenpassen. Der Grundsatz: Wenn Karte und Gelände streiten, gewinnt das Gelände. Ein zweites, unabhängiges Gerät (Tablet mit eigenem GPS-Empfänger) hilft beim Vergleich.
Plan B, bevor du ihn brauchst
Das Wichtigste passiert am Boden. Plane die Strecke so, dass du sie auch ohne GPS fliegen kannst: Kurs und Zeit je Schenkel notieren, markante Landmarken und Ausweichpunkte einzeichnen, eine aktuelle Papierkarte oder eine offline verfügbare Karte dabeihaben. Wo noch vorhanden, kannst du VOR/DME nutzen. Und denk an deine Sicherheitsreserven, wenn die Route durch ein bekanntes Störgebiet führt (siehe VFR-Flugvorbereitung). “Plan B ohne GPS” gehört in jede Checkliste.
Im Flug heißt es: Kompass und Uhr, Dead Reckoning, Orientierung an Autobahnen, Flüssen, Küstenlinien. Bleib ruhig, fliege den Kurs, und lass dich nicht zu hektischen Kursänderungen verleiten, nur weil das Gerät etwas anderes behauptet. Der Wind zieht dich dabei ab, also regelmäßig gegenprüfen. Ist die Lage unklar, nimm Kontakt mit Flight Information oder dem zuständigen Lotsen auf und sag klar, was los ist. Die EASA hat mit der Revision 4 dafür zusätzliche Standardphraseologie veröffentlicht (Appendix 1 des SIB).
Wetter nicht vergessen
Navigationsprobleme und schlechte Sicht addieren sich gefährlich. Wenn die Sicht schlecht ist und das GPS spinnt, ist ein früher Umkehrentschluss besser als Heldentum (siehe METAR/TAF lesen und GAFOR).
Quellen:
- EASA, EASA updates Safety Information Bulletin on GNSS interference (SIB 2022-02 Rev. 4, 03.07.2026)
- Runway Girl Network, EASA updates aircraft GNSS jamming and spoofing guidance
- aerotelegraph, Große GPS-Störaktion trifft auch Nordosten Deutschlands
