Strahlender Nachmittag, Abflug zur Abendrunde, und bei der Rückkehr steht der Platz im Nebel. Im Oktober passiert das nicht den Anfängern allein. Es trifft jeden, der die Tage mit dem Sommerblick liest.
Welcher Nebel ist es?
Nebel entsteht, wenn die Luft gesättigt ist: Entweder kühlt sie auf den Taupunkt ab, oder es kommt Feuchtigkeit dazu. Für die Praxis reichen zwei Typen. Strahlungsnebel bildet sich über Land in klaren Nächten bei wenig Wind, weil der Boden auskühlt. Er liegt gern in Tälern und nahe an Wasser und löst sich nach Sonnenaufgang oft wieder auf. Advektionsnebel entsteht, wenn warme, feuchte Luft über kalten Untergrund geschoben wird. Er braucht keine klare Nacht, kann jederzeit auftreten und ist an Küstenplätzen tückisch, weil ein Winddreher ihn plötzlich landeinwärts drückt.
Dazu kommt im Herbst das Hochnebel-Thema: eine geschlossene Schicht, die über dem Boden liegt und sich nicht auflöst, solange die Sonne sie nicht durchbricht. Wer unter der Schicht fliegt, hat oft brauchbare Sicht, aber eine niedrige Basis. Wolken, die die Einstrahlung blockieren, halten den Nebel am Boden. Hier lohnt der Blick ins TAF und in die GAFOR, nicht nur ins METAR.
Der Spread als Frühwarnsystem
Der Spread ist die Differenz aus Temperatur und Taupunkt, im METAR zwei Zahlen, die man in zwei Sekunden subtrahiert. Je kleiner er ist, desto feuchter die Luft. Der AOPA Safety Letter nennt als Faustregel: Bei 15 °C Spread muss man in den nächsten Stunden nicht mit Nebel rechnen, bei 2 °C und weiter fallendem Spread ist die Wahrscheinlichkeit hoch. Das fliegermagazin sieht es ähnlich: Bei ein bis zwei Grad ist mindestens Dunst zu erwarten, und der Nebel kann schnell kommen.
Entscheidend ist der Trend. Ein kleiner Spread am Morgen heißt, die Sonne hat noch Arbeit vor sich. Ein kleiner Spread am Nachmittag bei fallender Temperatur heißt, der Abend wird eng. Als Orientierung für die Wolkenbasis gilt Spread mal 400 ft. Gegen Nebel hilft Wind: Ab etwa 10 kt mischt sich die Luft durch, Strahlungsnebel hat es dann schwer.
Entscheidung vor dem Start
Nebel steht in der Praxis selten auf dem Programm und tritt gern auf, wenn man am wenigsten Puffer hat. Deshalb gehört die Entscheidung in die Flugvorbereitung, nicht ins Cockpit:
- Den Alternate vor dem Start festlegen, am besten höher gelegen oder weiter von Wasser und Tälern entfernt.
- Kraftstoff für den Ausweichplatz einplanen. Die AOPA rät, volle Tanks mitzunehmen, weil Nebel mehrere Plätze auf einmal zumachen kann. Mehr dazu in der Spritplanung.
- Einen Umkehrpunkt definieren und ihn auch nehmen.
- Früh zurückkommen. Wer mittags startet, ist vor dem Spread-Einbruch wieder am Boden.
Rechtlich ist die Lage klar: Unter den VFR-Minima ist kein Sichtflug möglich, und Nebel heißt per Definition unter 1 km Sicht. Aus meiner Sicht ist das Legale hier auch das Vernünftige: Wer in der Dämmerung auf einen Platz zufliegt, der nur noch Dunst ist, hat keine Optionen mehr. Die Checkliste zur Flugvorbereitung bekommt dafür einen festen Punkt: Spread-Trend prüfen, Alternate benennen.
