Es ist einer dieser Novembertage: Hochdruck, kaum Wind, im METAR steht CAVOK. Man würde am liebsten sofort die Platzrunde fliegen. Und dann sitzt man oben im Steigflug, die Sonne steht tief, und der Horizont ist verschwunden. Was nach Traumwetter aussieht, ist oft das Gegenteil: eine Inversion mit einem Dunstdeckel darunter.

Wie der Deckel entsteht

Der Deutsche Wetterdienst beschreibt es so: Bei Hochdruck, schwachem Wind und klaren Herbst- oder Winternächten kühlt die untere Luftschicht stark aus. Die Temperatur steigt dann zunächst mit der Höhe, statt zu fallen. Die Inversionsschicht kann flach sein oder mehrere hundert Höhenmeter umfassen. Sie wirkt als Sperrschicht, unter der sich Feuchte und Aerosole ansammeln und die Sicht trüben. Der DWD nennt als Grund die schwachen Winde und die damit fehlende Durchmischung. Dazu kommt meine Ergänzung: Im Winter fehlt oft auch die Thermik, die sonst für Austausch sorgt.

Dunst heißt dabei laut DWD: Sichtweite zwischen 1 und 8 km. Trockener Dunst liegt vor, wenn die relative Luftfeuchte am Boden unter 80 % liegt, sonst spricht man von feuchtem Dunst. Der DWD betont ausdrücklich, dass Dunst vor allem die Fliegerei unter Sichtflugbedingungen trifft und dass hoher Luftdruck am Boden nicht automatisch gutes Flugwetter bedeutet.

Warum CAVOK hier täuschen kann

CAVOK heißt: Sicht am Platz mindestens 10 km, keine Wolken unter 5000 ft bzw. der höchsten Mindestsektorhöhe, kein CB/TCU, kein signifikantes Wetter. Über die Schrägsicht nach unten sagt das nichts. Beides passt zusammen: Am Platz stimmen die 10 km, aus der Luft sieht man durch die Dunstschicht trotzdem schlecht. Der DWD weist darauf hin, dass die Sicht vom Flugzeug zum Erdboden meist schlechter ist als die Sicht am Boden. Dazu passt die Beschreibung aus dem FAA-Wetterhandbuch (in einer Online-Fassung auf aviationweather.ws): Über der Dunstschicht ist die horizontale Sicht oft gut, nach unten, besonders schräg, dagegen schlecht. Die Schicht ist meist nur wenige tausend Fuß dick, kann aber bis zu 15.000 ft reichen. Wer die Dunstobergrenze durchstößt, sieht plötzlich weit, aber den Platz nur noch senkrecht unter sich.

Wichtig für die Planung: Dunst löst sich nur durch Luftbewegung oder durch Durchmischung bei Erwärmung auf. Liegt darüber eine geschlossene Wolkendecke, passiert tagsüber kaum etwas.

Die tiefe Sonne

Das zweite Problem kommt dazu. Meine Erklärung: Bei tiefer Sonne ist der Lichtweg durch die Dunstschicht länger, das Licht streut stärker an den Partikeln. Das FAA-Handbuch sagt zur Blickrichtung nüchtern: Eine Landung in die Sonne ist bei Dunst oft gefährlich. Im Winter steht die Sonne den ganzen Tag niedrig. Wer auf einer Piste mit Anflug Richtung Süden oder Südwesten landet, fliegt mittags oder am frühen Nachmittag genau in diese Streuung hinein. Die Pistenschwelle und das Gelände davor sind dann schwer zu beurteilen. Das verstärkt, was wir im Artikel zu optischen Täuschungen am Abend beschrieben haben.

Was ich daraus mache

  • METAR genau lesen: Ein kleiner Spread und eine kaum steigende Temperatur über den Tag sind Warnzeichen. Wie du Spread und Dunst im METAR liest und wann Nebel droht, steht im Artikel zum Herbstnebel.
  • Sicht nicht nur am Boden beurteilen: Die gemeldete Bodensicht ist ein Wert für die Waagerechte. Die VFR-Wetterminima gelten im Flug, nicht auf dem Vorfeld.
  • Landerichtung zur Sonne bedenken: Wenn der Anflug in die tiefe Sonne geht und Dunst liegt, plane Puffer ein, oder wähle eine andere Landezeit oder Richtung, wenn der Platz das hergibt.
  • Alternate vorher festlegen: Bei Inversionslagen gibt es oft kein Wetterproblem, sondern ein Sichtproblem, das sich nicht plötzlich ändert. Der Ausweichplatz sollte deshalb vor dem Start feststehen, und die Entscheidung zur Umkehr sollte in deinen persönlichen Minima stehen.
  • Winterbesonderheiten nicht vergessen: Reif, Kaltstart und Co. findest du in der Winterflug-Checkliste.

Das Wetter ist in solchen Lagen selten gefährlich im klassischen Sinn. Es ist trügerisch ruhig, und genau deshalb unterschätzt man es.

Quellen

  • Deutscher Wetterdienst (Dipl.-Met. Sabine Krüger), „Viel Sonne, aber keine Sicht“, Thema des Tages vom 22.10.2018, Wiedergabe auf wetterdienst.de
  • FAA-Wetterhandbuch, Kapitel „Haze and Smoke“, Online-Fassung auf aviationweather.ws